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Schreibwerkstatt

Lesung

IV. In Beziehung

IV. In Beziehung

Sanft
anschmiegsam warm
dunkelrot licht stark
betörend leicht tief gehend luftig
Verliebt sein
Du
vergehst so
schnell ich spüre
Dich nicht
wenn ich Dich
festhalten will entfliehst
Du

Andrea Schumacher

Nächtlicher Besuch

Sie kam wieder zu uns, wollte uns besuchen. Sie blieb auch manche Nächte bei uns. Ich und mein jüngerer Bruder waren besonders froh und aufgeregt, weil sie da war.
Sie belebte alles, was sie berührte. Einfach mit ihrem Dasein, vermochte sie alles um uns herum zu beleben und zu erfreuen. Sogar mein Vater konnte sich diese Wirkung nicht entziehen.
Die Glut unter der Asche war hellorange, eine gesammelte Energie aus Feuer, Licht und Leidenschaft, obwohl er seine Hand schon daran verbrannt hatte.

Wir aßen alle Granatäpfel, lachten zusammen, während wir es uns im Bettlager gemütlich machten. Draußen war es kalt und der Winter tobte. Wir, die Jungen und mein Vater, wir alle hatten uns versammelt um diese Kerze, meine Mutter.
Schlafen war ein Fest, denn sie legte sich zum Schlafen zwischen mir und meinem Bruder, ihr Geruch, ihre Wärme, ihr Herzschlag, ihre Hände, ihre Haut waren für uns wie ein  Schluck Wasser in der Wüste.

Am nächsten Tag ging sie wieder. Ich aß dann Früchte der Sehnsucht, schälte den Schmerz, um ihn zu essen und schluckte Feuer. Das begegnet mir noch immer, dieselbe Sehnsucht, derselbe Schmerz.

Kamran Djahagiri

Mimi

Du warst ein Meerschweinchen
Ich war ein Kind
Zu meinem 7. Geburtstag habe ich dich bekommen
Ich hatte dich sehr lieb
Konnte dir vertrauen
Du warst sehr weich und auch sehr schön
Hast auf mich aufgepasst
Hast mir zugehört
Ich war sehr stolz auf dich
du warst so lieb
Du warst mein Tröster

Du warst ein Meerschweinchen.
Ich war ein Kind
Du wurdest krank
Du hast nichts mehr gefressen
Ich wollte wissen, was mit dir los ist
Doch du konntest es mir nicht sagen, denn:
Du warst ein Meerschweinchen.
Ein Meerschweinchen, nur ein Meerschweinchen
denken sicherlich einige
Aber für mich warst du so viel
Ich hatte Verantwortung
Du hast mich gebraucht

Ich war ein Kind und
Du warst ein Meerschweinchen.
Wir mussten zum Tierarzt
Du warst sehr schwach
ich habe geweint
Der Tierarzt hat dir eine Spritze gegeben
Du hast so laut gequiekt
Ich bin ohnmächtig geworden
Bald geht es ihm besser, sagte der Tierarzt
Auf dem Weg nach Hause bist du gestorben.

Ich war ein Kind
Du warst mein erstes Tier
Du warst so weich
Zum ersten Mal hat mir jemand zugehört
Dich zu verlieren, war schlimm für mich

Ich war ein Kind
Du warst mein Meerschweinchen.
Danke, Mimi.

Mareike Rautenbach

Wir lieben uns.

Wir lieben uns.
Doch jagt uns Vergangenheit
in tiefe Abgründe,
in trostloses, leeres Sein.
Viel zu lang warst Du alleine.
Wir dürfen uns nicht verlieren,
lernen neu vertrauen,
sonst kommen wir einfach um.
Unser Schrei nach Liebe
geht nicht ins Nichts.
Wenn wir fertig sind
mit unserer Angst
müssen wir suchen.
Jetzt springen wir ‘rauf
auf unsere Wolke.
Wir schließen die Augen,
starten neu.
Komm, lass‘ uns Leben spielen.

Maile Ira Folwill

Segenswunsch (für Ludwig)

Nimm‘ nicht den grauen Himmel auf
und lade ihn schwer auf Deine Schultern
Versinke nicht im Angstmorast
Deiner Morgenstundenqual

So sage ich; nimm‘ die Sonne!
Nimm‘ die Sonne und geh!
Geh‘ hinaus ins Leben, begegne
den Menschen, die Dir freundlich gesinnt.
Lass‘ Deine Zweifel wie Wolken vorüberziehen
setz‘ mit dem Fährmann über das Wasser.

Golden schimmert jetzt Morgenröte in Dir
der Todesfluss ist überwunden
die Nacht ist vertrieben
Du bist auf dem guten Pfad

Träume nicht, stürze nicht!
Nimm‘ die Sonne und geh‘
heiter und wachsam
strahlend und stark.

Martina Kallrath

Soll ich gehen, soll ich nicht?

Kam mir jemals dieser Gedanke? Nein, niemals. Ich sollte bleiben. Gesegnet, wofür ich mich entschieden hatte.
Mein Platz, ich füllte ihn immer stärker aus. Nur ich konnte ihn so ausfüllen, mit dieser Beständigkeit, Zuverlässikeit, Treue und Hingabe. ich habe immer eine eigene Antwort gefunden. Es ist alles gut gewesen, und es ist alles gut geworden.
Worte meiner Mutter.
Die Frucht meiner Entscheidung – 50 Jahre – Goldene Hochzeit!
Eine abgerundete und vollendete Beziehung.
Die vielen geweinten Tränen haben sich in Perlen verwandelt.
Dem Himmel sei Dank!

Elisabeth Masuhr

lieben

mich selbst lieben
das Schwerste
das Notwendigste

wenn ich
statt der Forderungen
Zuspruch und Trost
für mich übrig habe

wenn ich mich
leben lasse, wie ich bin
wenn ich froh bin
dass ich mich habe

dann ist vielleicht
die Enttäuschung
nicht ganz so groß
kein großes Licht
mir oft keine Hilfe zu sein

wenn ich mich liebe
dann kann ich
bei mir bleiben
mit mir gehen
dann werde ich
die Achtung
mir gegenüber
nicht verlieren

Menschenwürde
Menschenliebe
woher soll ich die bekommen
wenn ich nicht bei mir selbst
beginne

Annegrete Feckler

Begegnung

Ich begegne Dir.
In Dir begegne ich mir.
In uns begegnen wir Gott.
Wenn Du Dir auch in mir begegnest,
ist alles miteinander verbunden.
Er ist in unserer Mitte.
Wir leben durch ihn,
der das „DU“ schenkt.
In jeder Begegnung mit Anderen
ist er Zuhause.

Dagmar S

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