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Loreleystraße 7 · 50677 Köln

Schreibwerkstatt

Lesung

II. Im Sturm

Blamage!

Wie liebten wir es doch, wenn
der Ball lief und schließlich
im Tor landete. Das war unser
ein und alles. Dennoch mussten
wir denkwürdige Niederlagen
hinnehmen. So spielten wir
einmal als Klassenmannschaft
gegen eine semi-professionelle
Vereinsmannschaft. Der Ball,
einmal im Spiel, lief, ohne
dass einer von uns die Chance
gehabt hätte heranzukommen.
Wir waren eben alle keine trainierten
Fußballer. Und niemand hatte uns
gewarnt. Schließlich betrug der
Endstand 0:30. Nach dieser herben
Niederlage haben wir nie wieder
als Klassenmannschaft, gegen einen
Gegner, gemeinsam gespielt.

Michael Heinen-Anders

Die Faszination des Meeres

Das Sonnenkind steht im Sand des Strandes,
eine Sirene heult, denn Sturm zieht auf.
Seelenlos wirkt das tosende Meer.
Spült es nun Scherben an den Strand?
Scherben, die verletzen?
Nein, denkt das Sonnenkind:
Im Meer verborgen liegen Schätze,
es wird sie mir schenken, ganz gewiss.
Stürme nur, du liebes Meer,
ich warte bis die Ruhe wiederkehrt,
und schaue dann nach deinen Schätzen.
Habe ich sie gefunden, tanzen
Sommersprossen auf meinem Gesicht.
Denn am Ende wird alles gut!

Dagmar Spiegel

Unrast

gehetzt jage ich den Wolken nach –
jedes neu sich formende Bild
bedeutet Forderung

kaum:
das erste Bild löst sich auf im Wind –
unerledigt noch –
türmen sich neue Wolken auf –
das Unwetter naht
mit Donnern und mit Regengüssen

erschöpft liege ich am Boden

durch eine Nebelbank:
verschwommen der Horizont –
neue Formationen steigen empor
zwingen mich zu kämpfen
gegen meine Schatten

die mich werfen
ins tosende Meer

Annegrete Feckler

Es gibt Tage,

die sind wie ein verzäunter Garten.
Nicht einsehbar von draußen
und vergessen von der ganzen Welt.
Alleinsein, das schmerzhaft ist
und Einsamkeit, die weh tut
und sich nicht beschreiben lässt

Es gibt Tage,
die beginnen nichtssagend und ahnungslos.
Die Zeit tropft vor sich hin,
wie ein kaputter Wasserhahn,
der auf den Klempner wartet.
Dann, ganz plötzlich,
von einer Minute zur anderen,
und wie von unsichtbarer Hand gelenkt,
erwacht der Lebenshorizont
und reißt wie ein bis eben regenverhangener Himmel weit auf.

Elisabeth Masuhr

Angst und Hoffnung verbinden sich

und immer wieder denke ich:
Veränderung ist wichtig, was Vieles anbelangt.
Doch habe ich Gott schon für das Heute gedankt?
Viel zu selten schätze ich Schönes wert
Freude, Kinder, Pedro, das Pferd.

Das ist schade, ist es um mich oft so grau,
wenn der Himmel sich färbt, dann weiß ich genau:
es wird heller, bunter, ich hoffe, auch in mir!
Und in allen anderen und aus du und ich wird ein Wir.
Dies ist ein Wunsch von mir, ganz tief in meinem Herzen,
doch dann spüre ich wieder starke Schmerzen.
Physisch und psychisch, alles tut weh –
vor allem die Arme und mein Herz, oje.
Immer wieder Schmerzen, immer wieder Wut.
Wut auf mich selbst vor allem, das ist nicht gut.
Viel öfter würde ich einfach mal sagen: “Nein!“
Doch das kann ich nicht, die Folge ist: ich fühle mich klein.
Kleiner als ich es ohnehin schon bin.
Ich habe viele Fragen, vor allem die nach dem Sinn.
Er ist da, das weiß ich eigentlich.
Nur manchmal, ja manchmal versteckt er sich.
Doch ich werde dich finden, Sinn, das ist klar!
Und dann sage ich gern aus tiefstem Herzen „Ja!“

Mareike Rautenbach

Das schwarz-graue Loch

Seit heute Morgen wusste ich es ganz genau:
die Farbe meines Tages heute ist schwarz-grau.
Ich fühle mich nicht gut an diesem Tag –
auch wenn ich Schwarz eigentlich gar nicht mag.

Dennoch – heute passt es, muss ich leider sagen
und mich immer wieder verzweifelt fragen:
Wieso, Angst, Wut, Enttäuschung, fliegt ihr nicht fort –
weit, weit weg an einen anderen Ort?

Vielleicht, weil ihr einfach nicht fliegen wollt?
Wisst ihr doch genau, dass ihr mich einnehmen sollt.
Doch woher, wer hat euch dies denn gesagt?
Habt ihr denn mal nach dem Sinn gefragt?
Ich frag mich in den letzten Tagen immer wieder danach –
frage ständig: WARUM? Doch die Antwort liegt brach.

Ich bin nicht so stark, wie es manchmal scheint –
hab ich doch die halbe Nacht mal wieder geweint.
Doch viele Menschen sehen und hören dies nicht –
sehen das, was sie sehen wollen – selbst, wenn die Angst mit mir spricht.

Traurig bin ich – oh ja, aber wütend bin ich auch –
und mal wieder streiten sich Kopf und Bauch.
Ich fühl mich so unverstanden und allein –
kann denn nicht mal alles in Ordnung sein?

Es stürmt draußen und ebenso stürmt es in mir –
ich hab Angst, dass ich an Kraft und Hoffnung verlier.
Kraft und Hoffnung, um die ich mühsam kämpfen musste –
immer dann, wenn ich nicht mehr weiter wusste.

Ja, und auch dies ist heute mein Ziel:
dass ich kämpfe und hoffe – selbst hoffen wäre schon viel.
Vielleicht ändert sich die Farbe dann heute ja noch
und in mir ist nicht mehr nur ein schwarz-graues Loch.

Mareike Rautenbach

Federbetten

ausschütteln
alles Klamme, Schwere, Lähmende
Nachtmahr
schwindet
Flocken silberne
goldglitzernde tanzende Funken
in heftigen Rheinwasserwellen
Knacken des Schnees
stählern blau überwölbt
dick eingepackt herumstapfen
Wangen prickelnd klirren

Zerbrochenes verlieren
nicht vermissen
vergangene Träume
Schäume sein lassen
dem Wind standhalten
Flügel spüren
gleiten
der Weite zu

Angelika G.