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Schreibwerkstatt

Lesung

I. Du mein tieftiefes Leben

Ich schreibe, weil …

Ich schreibe, weil…
es ein Ventil für mich ist,
wenn du, liebes Leben, nicht zu verstehen bist.

Ich schreibe, weil …
es mir Freude macht –
wie oft schon haben meine Gedichte gelacht!

Ich schreibe, weil …
ich mich dir, Gott, mitteilen will –
dies geschieht manchmal laut, manchmal still.

Ich schreibe, weil …
viele Zeilen mich trösten können –
nicht immer, nur, wenn sie mir dies auch gönnen.

Ich schreibe, weil …
ich nach Antworten suche –
auch, wenn ich manchmal in meinen Gedichten fluche.

Ich schreibe einfach,
um zu schreiben –
damit tiefe Worte tiefe Worte bleiben.

Mareike Rautenbach

I. Mein tieftiefes Leben

Meine Fragen fliegen lassen

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich alle meine unbeantworteten Fragen wie einen Vogel fliegen lassen,
Ferien machen und bei der Heimkehr diesen Vogel wiederfinden, der mir dann die Antworten mitgebracht hat.

So viele Fragen kreisen durch meinen Kopf, manchmal fahren sie sogar Karussell. Mir wird ganz schwindlig dabei. Dann möchte ich dieses Gedankenkarussell am liebsten bei voller Fahrt anhalten. Denn es kostet viel Energie mit zufahren, Energie, die ich sinnvoller nutzen möchte.

Ich spüre, dass ich mich viel mehr entspannen sollte.
Aber das ist schwierig, vor allem, wenn die Erlebnisse aus der Vergangenheit im Karussell sitzen und mich in große Unruhe versetzen. Manchmal haben sie noch sehr viel Kraft.
Dabei möchte ich im Hier und Jetzt leben.
Das ist meine einzige Zeit.

Dagmar Spiegel

Ich werfe einen Stein

in die Tiefe meiner Seele.
Ist sie bodenlos, wie die Abgründe?
Ich bin ganz Ohr,
um den Widerhall zu hören.
Ich höre keine eindeutige Antwort,
vielleicht eher mehrdeutige Klänge,
von Saiteninstrumenten,
von Blasinstrumenten,
oder gar von einem Ensemble!

Das ist verborgen,
verborgenes Wissen
tief in mir,
Urwissen,
wovon ich nicht weiß,
noch nicht!

Kamran Djahangiri

Fragiler Moment

Jeder Augenblick ist kostbar.

Noch ist es zu früh für späte Erinnerungen.

Der Tag schließt erst mit dem Abend
seine Türen.

Vergiss den nutzlosen Tand, den Du für
Dein einziges Eigentum hältst, denn bald
schon wird es zu spät sein, um aufzubrechen.

Nach dem Abend kommt die Nacht hereingeschlichen.

Du siehst die Dinge wohl dann erst im richtigen Licht,
wenn Deine Zeit endgültig abgelaufen scheint
und Du mit wehmütigem Blick, der an Abschiede
gemahnt, nun glasklar Dir endlich selbst vergibst.

Michael Heinen-Anders 

Lebendiges Wasser

Kern des Kerns
Tropfen unendlich an Zahl
eine von vielen
getragen vom Versprechen des Regenbogens
sonnen beschienen
eine von vielen
Teil des Regenbogens
lebendiges Wasser

Angelika G.

Herbstgefühle

Es ist Herbst, und die Vögel fliegen in den Süden.
Es ist Herbst, und ich fühle mich herbstlich.

Die Vögel ziehen vorbei. So lasse ich das Leben vorbeiziehen.
Ich erlebe das Leben in leuchtenden Farben, aber ich gehe so langsam auf das Alter zu. Noch leuchtet alles in einem lichten Gelb. Ich sehe die letzte Sonne zwischen den Bäumen.
Vielleicht wird der Lebensabend auch ganz schön. Aber ich habe Angst davor, dass ich mich nicht mehr bewegen kann, und ich nicht mehr aus dem Haus komme. Ich werde vielleicht sogar ein Pflegefall.

Doch noch ist das Leben schön, und ich erlebe die Augenblicke im Vorbeiflug. Es sind von der Sonne durchschienene wunderschöne Augenblicke. Ich erlebe sie intensiv, denn ich weiß nicht, wie lange ich noch lebe. Es geht, wie gesagt, auf den Lebensabend zu.

Ich freue mich über Gottesdienste, über wundervolle Frauen und wie sie sich kleiden und über Bilder der Natur.
Ergreifende Liebesfilme im Fernsehen ziehen in meinem Leben vorbei.

Ich freue mich an dem herbstlichen Licht, dass gelb-grün durch den Wald schimmert.

Konrad Folkmann

Komm, lach mit mir

alt sind wir geworden
grau und krank

ich kann kaum noch gehen
du kannst nicht mehr reden
und verstehst auch sonst
nicht viel von dieser Welt

ich lege meinen Arm um dich
und spiel für dich ein sattes Schaf
ach, wie du lachst,
dein Körper bebt, du lebst

komm, lach mit mir
nur diesen einen Tag
lass uns vergessen
was so schwierig ist

komm, sag ich zu dir
und halte deine Hände
erstaunt sind deine Augen
dein Mund, er öffnet sich

ich spiel für dich ein kleines Kind
und wieder lachst du voll mir ins Gesicht
und deine Augen sehen mich
das ist mein größtes Glück

Annegrete Feckler