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Schreibwerkstatt

Lesung

III. Lebenswege

Im Krankenhaus

Schon einige Male
diesen Berg bezwungen
abgerutscht und hochgezogen
mit der Kraft am Ende
und doch weiter gestiegen
mit Zittern auf dem Gipfel gestanden
und doch den Berg besiegt
mit Angst hinunter ins Tal geschaut
und dennoch immer wieder den Absturz überlebt

Schon viele Male
hinaus aufs Meer gefahren
vom Sturm gejagt und Stand gehalten
im Packeis stecken geblieben
mit dem Proviant ausgekommen
ausgehalten bis zum Frühjahr
mit ausgefallener Navigation
verirrt, verschollen
und doch immer wieder heim gefunden

Annegrete Feckler

Jahresrückblick 2011

Nachdem ich von  November 2010 bis Februar 2011 in der Klinik war, und das zum x-ten Mal, hatte man mich trotz und mit Panikattacken entlassen. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, ich habe die Hölle geschmeckt. Grotesk, dass ich mit einem einfachen Medikament diese Attacken überwunden habe. In diese Zeit fällt auch eine weitere Umkehr in meinem Leben, und ich bin sehr dankbar, dass ich darüber die wieder gewonnene Mitte meiner Gesundheit gefunden habe. Es war in meiner Läuterung wie die Umkehr des verlorenen Sohnes, und bis ich es erkannte, lastete deine Hand schwer auf mir, und jetzt ist das Leben wieder eine Freude. Mein Alltag ist Gottesdienst, und ich bin ein Jünger, wie ich es immer wollte. Die Thearchie ist hinter einem Brett, ihre Schilder sind abgehängt, und so sind doch einige Unteraspekte gesund und wichtig. Ich gehe und lebe meinen Weg, z. B. im Pflegen meiner Freundschaften. Seit ich richtig arbeite, kann ich auch richtig beten, in Rosenkranz, Eucharistie und Anrufung ist mein Alltag eingefasst. Stille Zeit, Beine hochlegen, Ruhe- und Schweigeübungen tun das übrige.

Paul Kehren

Wie froh bin ich, dass ich weg bin.

Ich hätte es nicht ausgehalten. Wie ein Korn wäre ich zermahlt und in Staub verwandelt, obwohl den Ort, den ich hinter mir ließ,  Heimat hieß, Zuhause, Vaterland. Ich war ein  Fremder, ein Außenseiter. Ich wäre da verstickt. Lange danach, als ich schon in der neuen Heimat war, wurde mir bewusst, was da für eine Hölle war. Vieles hatte ich in mir geschluckt, mit einer Gier, ich war unersättlich. Ich nahm alles auf, ohne Pause. Und dann kam der Sturm. Zuerst war ich zusammengebrochen, wie ein zersplitterter Spiegel. Ein Haufen Scherben und jedes kleine Teil schaute mich ganz erstaunt, mit offenem Munde. Nur nach und nach verstand ich die Zusammenhänge. Eine gefährliche bedrohliche Welt, eine dunkle Welt, woher ich kam, aber trotzdem gab es auch Licht, genauso wie in einer Nacht. Das Licht strahlte durch die Sterne, jene Menschen, die mit ihrer Liebe, mit ihrem Mut, wie stille Sterne strahlten, die ganze Zeit. Mitten in der Hölle, erlebte ich auch das Paradies und die Wärme einer unverlöschlichen Flamme.

Aber ich bin froh, dass ich weg war. Ich hätte es nicht überlebt. Der Zusammenbruch und die Krankheit gaben mir die Gelegenheit  jedes einzelnen Teil dieses zersplitterten Spiegel genau zu schauen und betrachten. Nur allmählich sehe ich das Ganze!

Kami Djahangiri

Es regnete in den Wäldern.

Die Erde drehte sich nicht mehr.
Ich lief stehen bleibend
auf der Bergspitze.
Der Himmel war grau.
Ich drehte mich um mich,
achtete nicht die Sterne,
sie waren himmlisch,
ich war irdisch.
Ich bemalte mich mit Lehm,
begrub mich ohne Kleider,
ich achtete nicht die Erde,
sie gab mir Brot,
ich warf mich ins Feuer;
als Asche kam ich auf der Welt,
dunkel und staubig,
Gab mich dem Wind hin,
er warf mich ins Meer,
ich schluckte alle meine Erinnerungen,
bis ich aufwachte.
Sah mich im Spiegel,
die Nacht war groß,
ein Stern stürzte auf der Erde,
er wurde als Samen
in meinem Herzen geboren.
Ich sah Dein Gesicht
und Deine Hände,
sie waren ein Hinweis
auf Himmel,
auf Gott.
Ich las Dein Herz,
es war Rein,
es war Unschuld.
Ich beugte mich willig
vor Deiner Schwelle!

Kami

Stein

Schwieriger Stein
darin verschlossen
starkes Rückgrat
vom Wasser rollend geschliffen
hart geworden
Gezeiten überlebt
Sprache verloren – stumm
kostbar noch klopft das Herz
kleine Schritte sind schmerzhaft
Wo sind die Augen?
Eigene Phantasie ihr Leben zu gestalten
erstickt
es fehlt ihr der Schutz der Glyzinie
vorgegaukelt die Vergangenheit als
hier und jetzt
lebendige Hülle ihr grüner Dschungel
Blühen nur für sie
muss sie 30 Jahre darauf warten
Muscheln leben im Gezeitenstrom
Lebensbedingungen im härtesten Wechsel
daran wachsen
ranken verholzen
am alten Holz Blütendolden bilden von betäubendem Duft.

Angelika Geesthuysen

Müdigkeit

langsam schleppe ich mich dahin
die Augenlieder schwer
der Blick auf den Bodengerichtet
letzte Traumfetzen hängen in den Locken
träge knabbere ich am Brotkanten
knack knack
der starke Kaffee vermag mich kaum zu wecken
schlaftrunken starre ich einen Punkt an der Wand an
das Schlafdefizit zehrt an meinen Nerven

Andrea Schumacher

Mein Lebensweg

Augen
ich sehe
meinen individuellen Weg
hier auf der Erde
sicher

sicher
oft unsicher
in der Luft
oft auf Sand gebaut
Sackgasse

Sackgasse
überwinde ich
über das Ende
Weg geht immer weiter
Veränderung

Veränderung
ich ändere
einfach die Richtung
kurz vor dem Ende
Umkehr

Umkehr
kontinuierliches Weiterkommen
ich lerne überall
neue wichtige Dinge kennen
Glaube

Konrad Folkmann
ungsgedanke

Elisabeth Masuhr