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- Jubiläumsheft [2004]
Kindertage

Der Grund, auf dem die Mutter mit ihrem Kind sitzt, sieht nach Abgrund aus. Die Mutter befindet sich zwischen dem Abgrund unter sich und dem Kreuz, das über dem Kind und ihr schwebt. Die Strahlen, die von dem Kreuz ausgehen, sind von hellen Farben und hoffnungsvoll. Zwischen Mutter und Kind sind sie sogar zu einem starken Licht geworden. Das Kreuz selbst aber ist schwer und dunkel. Die Strahlen sind Verheißung – das Kreuz muß durchlitten werden – von Mutter und Kind. Das Rot im Gewand der Mutter entspricht dem dunklen Rot auf dem Körper des Kindes. Das Rot steht für Leben, ja, aber dieses Leben umgeben vom Abgrund bedeutet viel Schmerzen und Wunden. Das Kind streckt die Arme aus nach der Mutter. Die Mutter lächelt still in sich hinein. Findet das Kind eine Antwort? Das Blau in den Gesichtszügen und im Gewand der Mutter drückt Treue aus, auch in der Entfremdung.
Die Hände der Mutter sind nur angedeutet und etwas kurz und ungeschickt. Sie stützen den Kopf des Kindes – greifen können sie nicht. Das Kind liegt auf ihren Knien – gestützt, aber nicht festgehalten. Das Kind kann gehen, wenn es gehen kann.
Die Strahlen, die vom Kreuz ausgehen, sind von Mutter und Kind nicht zu sehen. Erst langsam beginnen die Wunden zu heilen, und das Kreuz beginnt zu strahlen.
