Wieder im Krankenhaus

Bild: Wieder im Krankenhaus

Eine Frau kommt herein. Sie hat nur ein Auge. Ihr Gesicht ist angespannt und der Blick abwesend. Sie schaut überall hin, nur nicht auf ihr Kind. Ihre Kleider sind schwarz. Das Kind streckt sich nach ihr aus, um sie freudig zu umarmen; sie wehrt ab, wie man eine lästige Fliege verscheucht. „Ich habe dir etwas mitgebracht“, sagt sie. „Das habe ich mir vom Mund abgespart“. Schweigen! „Ach, wie bin ich geplagt“, beginnt wieder die Frau. Eigentlich erwartet sie keine Antwort, sie sagt es einfach so in den Raum. „Dieser Mann, diese Kinder“, klagt sie. „Und weißt du, was das Schlimmste ist, ich bin auch noch mit einem kranken Kind gestraft.“ Dann steht sie auf und geht ohne Abschiedsgruß und ohne sich noch einmal umzudrehen. Nichts bewegt sich. Irgendwo draußen auf dem Gang klappert Geschirr. Ab und zu leises Kinderweinen, Wimmern und ein Rufen nach der Mutter. Die Frischoperierten, die schreien noch, rufen und weinen nach ihrer Mutter, die wissen noch nicht, dass sie nicht kommen wird. Sie nicht und auch sonst niemand ... Draußen das Klappern, das Weinen und Rufen. „Wie soll ich leben, Gott? Hol mich doch hier raus!“ Plötzlich ist alles still. Kein Klappern mehr und kein Geschrei. Weit in der Ferne, schlag Mitternacht, beginnt irgendwo leise ein Trompetenspiel. „Das ist Gott! Jetzt spielt er mir ein Wiegenlied, damit ich endlich atmen und schlafen kann.“ (verkürzte Fassung)