Vorwort

Johanna Akomeah

„Hörst du die Schreie, die Schreie bei Tag und bei Nacht? Die Schreie, die sich an den Wänden deiner Heimat hoch fressen und jeglichen Winkel besetzen?“ Ja, ich hörte diese Schreie ganz tief in meiner Seele, ich spürte sie förmlich in mir hoch kriechen und wider- und widerhallen bis - wie durch ein Stimmengewirr hindurch dringend – diese Schreie zu schrillen dissonanten Akkorden wuchsen. Berührt von Annegrete Fecklers Leidensgeschichte rührten sich dumpfe, monotone, verhaltene Klänge in mir, im Gegensatz dazu bewegten mich auch verspielte, ja, fast romantische Melodien zu Texten wie „Suche mich“ oder „Liebesgeflüster“. Es war für mich keine mühevolle Arbeit, Annegrete Texte musikalisch zu interpretieren. Ihre fein gesponnene Prosa und Lyrik sowie ihre ausdrucksstarken Bilder machten es mir leicht, mich in ihr Schicksal einzuleben, und so flossen die Klänge fast mühelos aus meinen Fingern in die Tasten. Ich empfand mich dabei stets als Dienerin ihrer Worte und war aufs Äußerste bemüht, ihre sprachliche Aussage in eine authentische musikalische Form zu bringen. In diesem Zusammenhang standen auch meine Bemühungen, wechselnde Strukturen und Instrumentierungen oder den Einsatz vokaler Interpretation zu wählen. Diese sollten dem Inhalt nochmals eine neue Farbe, Klangfarbe, Sichtweise verleihen. Die gesanglichen Beiträge erheben keinen Anspruch auf Perfektion, sondern stellen wie alle anderen Beiträge den Versuch dar, die Texte von Annegrete durch ein anderes Fenster, durch das Medium der Musik transparenter zu machen. Die Arbeit mit Annegrete Feckler war von der ersten Stunde an ein harmonisches Miteinander und war trotz der Schwere des Inhalts eine erfreuliche, produktive Zusammenarbeit, die über die Begegnung mit Wort, Bild und Musik auch noch das Geschenk einer tiefen Begegnung mit Gott möglich machten. Die CD wurde im Tonstudio von Robert Juretzki in Köln-Bickendorf produziert. Kompetent, einfühlsam und ideenreich begleitete er unsere Arbeit. Dafür sei ihm ein herzliches „Danke schön“ gesagt.

Johanna Akomeah